Seit März diesen Jahres mussten zahlreiche Gastronomien auf St. Pauli, in St. Georg und weiteren sehr beliebten Ausgehvierteln, die dicht besiedelt sind, ihre Pforten wegen der Corona-Pandemie schließen. Vor ein paar Wochen begannen dann ganz langsam wieder die ersten Öffnungen von Restaurants und Schankbetrieben. Doch lassen sich die Raumkapazitäten innerhalb der Gastronomien wegen des einzuhaltenden Sicherheitsabstands nicht mehr ausschöpfen, sodass viel weniger Gäste bewirtet werden können. Betriebe, die ausreichend groß sind, können zumindest eine reduzierte Anzahl an Tischen anbieten; besonders kleine Lokale können teilweise noch gar nicht wieder öffnen, da keine ausreichenden Abstände möglich sind.

In Gesprächen berichten die einzelnen Gastronomen auch davon, dass die Menschen in Hamburg inzwischen zwar wieder Lust haben, auswärts etwas essen oder trinken zu gehen und auch wieder Touristen zu Gast sind – aber man halte sich ungern innerhalb von Gastronomien auf und bevorzuge den Aufenthalt an der frischen Luft und ebenfalls mit ausreichend Abstand.

Diesen Platz hat nicht jedes Restaurant oder andere Lokalität. Gerade auf St. Pauli bieten die Gehsteige vor den kleineren Läden keinen ausreichenden Platz, um dort noch Tische und Stühle aufzustellen ohne gleichzeitig Fußgängerinnen und Fußgängern, Kinderwagenfahrenden oder auf Gehhilfen angewiesenen Personen die Nutzung des Fußweges zu erschweren. Um hier schnell helfen zu können, hatte die Bezirksfraktion Hamburg-Mitte kurzerhand einen Antrag eingebracht mitdem das Bezirksamt gebeten wird, rasche Lösungen zu finden. Angedacht wird, zu prüfen, ob Parkplätze vor Restaurants kurzfristig und teilweise temporär, wie etwa nur zum Wochenende hin, in Stellflächen für die Außengastronomie umgewandelt werden können.

Diese Regelung setzt natürlich eine gegenseitige Rücksichtnahme in den Vierteln voraus. Es entfallen einige Parkplätze, die üblicherweise auch von den Anwohnenden genutzt werden und da es sich um Wohnquartiere handelt, müssen die Gastronomen natürlich auf eine Verhältnismäßigkeit achten und insbesondere die Ruhezeiten einhalten und für das Benehmen und Verhalten der Gäste Verantwortung übernehmen.

Nach den ersten Wochen mit dieser neuen Regelung ist klar: Es gibt ein gutes Miteinander. Die Gastronomen sind zufrieden, dass sie wieder mehr Gäste bewirten können, Besucher freuen sich, nicht zwingend das Innere einer Lokalität aufsuchen zu müssen, sondern mit Abstand im Freien sitzen zu können und Anwohnerinnen und Anwohner zeigen großes Verständnis für die Situation der Gastronomie und nehmen die veränderte Straßensituation wohlwollend in Kauf.

Ein ganz anderes Problem bildet das so genannte „Cornern“, der Konsum von Alkohol, der an Kiosken gekauft und im öffentlichen Raum, insbesondere in unmittelbarer Nähe zu gastromischen Einrichtungen verzehrt wird, wobei auch gegen die Abstandsregeln verstoßen wird. Der Hamburger Senat hat deshalb die rechtlichen Voraussetzungen zur Einschränkung des Alkoholverkaufs in den Ausgehvierteln. Nun können die Bezirksämter quartiersweite Alkohol-Verkaufsverbote auf St. Pauli, im Schanzenviertel und in Ottensen aussprechen. Die Regelung soll – und zwar Freitag, Sonnabend und Sonntag jeweils zwischen 20 und 6 Uhr gelten.

Text: Sabrina Hirche (SPD-Bezirksfraktion)