Am Freitag, dem 15. Februar 2019 tagte die Kreisdelegiertenversammlung der SPD Hamburg-Mitte, um das Wahlprogramm zu diskutieren und zu verabschieden. Bei dieser Versammlung wurde auch ein Initiativantrag besprochen. Hintergrund: der Kirchengemeinderat der St. Pauli-Kirche, die kurioserweise im Bezirk Altona und nicht im Stadtteil St. Pauli liegt, war an die Politik herangetreten, um um Unterstützung zu bitten, damit die Kirche, die dem Stadtteil seinen Namen gab, wieder in diesen zurückgeführt wird.

Im Mai feiert die Gemeinde der St. Pauli-Kirche ihr 200jähriges Bestehen. Dies hielt sie für einen guten Anlass, um den Fokus wieder auf diesen in den letzten Jahren so oft vergessenen Umstand zu legen.

Der Antrag:

St. Pauli-Kirche zurück nach St. Pauli

Sachverhalt:
Die heutige St. Pauli-Kirche, deren Vorgängerin bereits seit 1682 Erwähnung an diesem Ort findet, liegt im Hamburger Bezirk Altona. Die Grundsteinlegung des dieser Art heute so dort stehenden Gotteshauses erfolgte am 06. Mai 1819 und jährt sich somit bald zum zweihundertsten Mal. Vor Eingemeindung in die Hansestadt Hamburg, stand die Kirche in der Vorstadt, genannt Hamburger Berg. Als dieser 1833 Hamburg zugeordnet wurde, diente die St. Pauli-Kirche dem Stadtteil sogar als Namensgeberin. Der Stadtteil St. Pauli selbst gehört bis heute zum Bezirk Hamburg-Mitte.

1937 erfolgte während der NS-Zeit die Umsetzung des Groß-Hamburg-Gesetzes, wonach u.a. die zuvor preußische Stadt „Altona“ hamburgisch wurde. Bis dahin verlief die Grenze zwischen Altona und Hamburg wesentlich weiter westlich, nämlich entlang der Straße Pepermölenbek bis hin zum Nobistor.

Am 26. Oktober 1938 ergaben sich formell geänderte Grenzverläufe aus der „Bekanntmachung über die Gebietseinteilung der Hansestadt Hamburg vom 26. Oktober 1938“ (Hamburgisches Verordnungsblatt 1938 S. 207). Der damalige Reichsstatthalter und Gauleiter des Gaues Hamburg der NSDAP ließ die Grenzen der Bezirke so ziehen, dass sich leistungsfähige Ortsgruppen bilden ließen. Hauptaugenmerk der Neuzuschneidung lag darin, sich „in erster Linie nach dem Gesichtspunkt der bestmöglichen politischen Erziehung und sozialen Betreuung der Bevölkerung [zu orientieren].“ (vgl. Die neue Gebietseinteilung der Hansestadt Hamburg, In: „Hamburgs Verwaltung und Wirtschaft“ (Monatsschrift), Jahrgang 1938, Heft 8 S. 153/154)

Nach Kriegsende gab es keinerlei gebietliche Änderungen, auch wenn der „Ursprungssinn“, einzig und allein der NS-Ideologie geschuldet, nun nicht mehr war.

In der Dezember-Sitzung des Kirchengemeinderates der Gemeinde St. Pauli befasste sich dieser erneut mit dem Umstand, dass die Namensgeberin nicht mehr zum Stadtteil gehört:
„Aufgrund des oben gegebenen historischen Einblicks erscheint es nur logisch, dass die Grenzen zwischen den Stadtteilen und Bezirken erneut überdacht werden. Historische und sozialräumliche Gründe sprechen für eine Korrektur der Bezirksgrenze, zumal 90 Prozent der Gemeindeglieder in Hamburg-Mitte leben.
Mit Änderung der Bezirksgrenze würden sich neue Zuständigkeiten in zahlreichen Verwaltungsverfahren ergeben, was die beiden beteiligten Bezirksverwaltungen aber bereits bei Schaffung des Stadtteils „Sternschanze“ in 2007 praktiziert haben.“

Beschluss:

Die Kreisdelegiertenversammlung der SPD Hamburg-Mitte bittet die SPD-Bezirksfraktion und die SPD-Bürgerschaftsfraktion sich mit diesem Antrag zu befassen und eine Umsetzung der Grenzverlegung zu ermöglichen.

Einstimmig beschlossen die Genossinnen und Genossen, diesen Antrag an die zuständigen Gremien weiterzugeben mit der Bitte um Befassung.