Der Hamburger Hauptbahnhof ist nicht nur die zentrale Mobilitätsdrehscheibe der Stadt, sondern mit mehr als 500 000 Fahrgästen pro Tag auch der meistfrequentierte Bahnhof Deutschlands. Man sagt ja, der erste Eindruck sei entscheidend. Doch so wie der Hauptbahnhof sich bislang vielen Reisenden präsentierte, war das nicht die beste Visitenkarte für unsere Stadt. Hauptkritikpunkte vieler Fahrgäste waren dabei immer wieder mangelnde Sauberkeit und ein subjektives Unsicherheitsgefühl. Zudem ist der Hauptbahnhof an seine Kapazitätsgrenzen angelangt.

Allen Verantwortlichen ist bewusst, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Die deshalb geplante Erweiterung des Bahnhofsgebäudes mit einem zusätzlichen Zugang, einem weiteren Bahnsteig und die Neugestaltung der Vorplätze, erfordert allerdings umfangreiche Voruntersuchungen wie die Analyse der Personenströme, der Zugverkehre oder der Kfz-Verkehre im Bahnhofsumfeld, so dass mit einer grundlegenden Neuordnung und Sanierung erst ab 2019 zu rechnen ist.

Doch war es aus meiner Sicht nicht hinnehmbar, diese Situation bis dahin unverändert zu lassen. Die Idee war daher, bereits jetzt mit vielen kleinen Maßnahmen und relativ geringem Kostenaufwand (insgesamt etwa 500.000 €), deutlich spürbare Verbesserungen zu erreichen. Zwar wurde dieser Ansatz auch schon in der Vergangenheit versucht – es wurden z.B. Urinale aufgestellt oder das Hausrecht der DB ausgeweitet – allerdings konnten damit kaum nachhaltige Erfolge erzielt werden.
Denn ein Grundproblem wurde dabei übersehen: die vielen verschiedenen Zuständigkeiten in und um den Hauptbahnhof herum. Es muss den Fahrgästen teilweise absurd angemutet haben, wenn z.B. bei der Leerung der Papierkörbe ein nur wenige Meter daneben stehender, ebenso voller Papierkorb unberücksichtigt blieb, nur weil dieser in einen anderen Verantwortungsbereich fiel. Und manchmal schien wohl auch den Akteuren nicht immer ganz klar zu sein, wo die jeweiligen Zuständigkeiten endeten. Ziel war es deshalb, hier ein wenig als „Anschieber“ zu wirken – für eine bessere Koordination und die Erledigung möglichst vieler Aufgaben aus einer Hand. In einer ersten gemeinsamen Begehung im Oktober 2016 wurde eine Liste mit den ermittelten Problemfeldern in den Bereichen Sauberkeit, Sicherheit und erforderlicher baulicher Veränderungen erstellt. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hat zudem ein Maßnahmenpaket formuliert, das verschiedene Prüfaufträge konkretisiert.

Insgesamt 40 Punkte umfasst diese Liste, von denen ein Teil bereits umgesetzt ist: Abtransport von über 300 Schrottfahrrädern, Reinigung der Straßenschilder, Erhöhung der Reinigungsfrequenz der Urinale von 5 x wöchentlich auf 8x täglich, Doppelstreifen der Bundespolizei und Landespolizei sorgen für ein höheres Sicherheitsgefühl, die nicht mehr benötigte Abwasserauswurfanlage des Bunkers wurde abgetragen, die DB hat die Kassettenfenster am Westflügel instandgesetzt, Abstellflächen entrümpelt – jeder macht seine Hausaufgaben. Ein ganz besonderer Meilenstein im neuen Sauberkeitskonzept: Ab Februar 2017 sind sämtliche Reinigungsarbeiten komplett auf die Hamburger Stadtreinigung (SRHH) übertragen worden. Das bedeutet nicht nur eine erhöhte Reinigungstaktung – von 6 Uhr bis 22 Uhr wird jeden Tag durchgehend sauber gemacht – sondern einmal wöchentlich erfolgt dann nachts eine Nassreinigung der gesamten Flächen.

Natürlich rufen alle diese Maßnahmen auch Kritiker auf den Plan, die eine Verdrängung befürchten. Es geht hier aber nicht um die Verdrängung von Menschen, sondern inakzeptable Verhaltensweisen sollen nicht länger einfach toleriert werden. Die Alternativen werden ja angeboten. Niemand muss sich an den Bahnhofsmauern „erleichtern“, obwohl kostenlose Urinale bereit stehen. Und es müsste auch niemand auf dem Bahnhof lagern, wenn rund um diesen Platz allein 19 Hilfseinrichtungen Unterstützung anbieten.

Erste Verbesserungen sind jedenfalls deutlich sichtbar und die vielen positiven Rückmeldungen von Fahrgästen bestätigen das. Zu verdanken ist das dem kooperativen Zusammenwirken aller Beteiligten wie SRHH, BUE, Polizei, Bahnhofsmanagement und nicht zuletzt auch dem Vorstandsvorsitzenden der DB, der in einer bewundernswert zupackenden Art hier maßgeblich die Dinge mit auf den Weg gebracht hat.